
aktualisiert am 29.07.26
Eine Geburt mit Saugglocke kann notwendig werden, wenn das Baby in der letzten Phase der Geburt Unterstützung braucht, um auf die Welt zu kommen. Medizinisch spricht man von einer Vakuumextraktion oder vaginal-operativen Geburt.
Doch wann wird eine Saugglocke eingesetzt? Wie läuft eine Saugglockengeburt ab, welche Risiken gibt es für Mutter und Baby und wie schmerzhaft ist sie? Wir erklären dir, was bei einer Geburt mit Saugglocke passiert und was du darüber wissen solltest.
Was ist eine Saugglockengeburt?
Bei einer Saugglockengeburt wird die vaginale Geburt des Babys mithilfe einer Saugglocke unterstützt. Diese Methode wird auch Vakuumextraktion genannt und kommt in der letzten Phase der Geburt zum Einsatz, wenn medizinische Gründe dafür sprechen, die Geburt zu unterstützen oder zügig zu beenden.
Voraussetzung ist unter anderem, dass der Muttermund vollständig geöffnet und die Fruchtblase eröffnet ist. Der Kopf des Babys muss bereits ausreichend tief im Becken liegen und seine Position bekannt sein, damit die Saugglocke sicher angesetzt werden kann.
Neben der Saugglocke kann bei einer vaginal-operativen Geburt auch eine Geburtszange eingesetzt werden. Welche Methode geeignet ist, hängt von der jeweiligen Geburtssituation ab.
Wie funktioniert eine Geburt mit Saugglocke?
Bei Saugglockengeburten wird eine kleine Schale auf den Kopf des Kindes gelegt. Diese kann aus Metall oder Silikon sein. Über einen Schlauch ist die Schale mit einer Vakuumpumpe verbunden, sodass sich die Glocke an der Kopfhaut des Babys festsaugt.
Während der Wehen wird das Baby durch Zug durch die Gynäkologin oder den Gynäkologen bei der Geburt unterstützt. Sobald das Köpfchen geboren ist, wird der Sog langsam abgelassen und der Rest des Körpers wird mit den nächsten zwei bis drei Presswehen geboren. Wenn zu erwarten ist, dass es durch den Druck zu einer grösseren Verletzung bei der Frau kommen wird, wird vorab ein Dammschnitt gemacht.
Gut zu wissen: Oft ist das Köpfchen durch den Zug der Glocke nach der Geburt leicht verformt. Dies verschwindet jedoch innerhalb der ersten Wochen und Monate nach der Geburt wieder.

Wann wird eine Saugglocke bei der Geburt eingesetzt?
Die Saugglocke wird eingesetzt, wenn in der letzten Phase der Geburt Komplikationen auftreten. Gründe Geburtskanal liegt und die Geburt in der Austreibungsphase unterstützt oder zügig beendet werden soll. Gründe können beispielsweise sein:
- Die Geburt kommt trotz Wehen und Pressen nicht ausreichend voran.
- Die Herztöne des Babys geben Anlass zur Sorge und eine rasche Geburt ist sinnvoll.
- Die Gebärende ist sehr erschöpft und kann nicht mehr ausreichend mitpressen.
- Aus medizinischen Gründen soll starkes oder längeres Pressen vermieden werden.
Auch wenn in dieser Situation häufig schnell gehandelt werden muss, sollten die Gründe und die nächsten Schritte möglichst erklärt werden. Zu wissen, was geschieht und warum eine Intervention notwendig ist, kann dazu beitragen, dass die Frau sich weiterhin informiert und einbezogen fühlt.
Du möchtest noch weitere wertvolle Tipps und Informationen rund die Themen Schwangerschaft und Geburt erhalten? Melde dich gerne zu unserem Newsletter an!
Welche Risiken hat eine Geburt mit Saugglocke?
Eine Saugglockengeburt ist ein etablierter medizinischer Eingriff. Wie bei jeder Form der Geburtshilfe können jedoch Risiken und Nebenwirkungen auftreten.
Bei der Mutter können Verletzungen des Damms oder der Scheide auftreten. Auch ein Dammschnitt kann in bestimmten Situationen notwendig sein. Beim Baby können durch die Saugglocke vorübergehend eine Schwellung, Druckstellen oder Blutergüsse am Kopf entstehen. Diese bilden sich in den meisten Fällen wieder zurück. Schwerwiegendere Komplikationen wie stärkere Blutungen am oder im Kopf sind selten.
Eine vaginal-operative Geburt kann zudem emotional belastend erlebt werden – besonders, wenn die Situation unerwartet oder sehr schnell entstanden ist. Falls dich die Geburt im Nachhinein beschäftigt, kann es hilfreich sein, den Geburtsverlauf nochmals mit deiner Hebamme oder dem behandelnden ärztlichen Team zu besprechen.gen machst, besprich das Thema mit Deiner Ärztin oder Deinem Arzt. So bist Du umfassend aufgeklärt.

Wie gross sind die Schmerzen bei einer Saugglockengeburt?
Man muss wissen, dass die meisten Frauen bei dieser Phase der Geburt ohnehin Schmerzen empfinden. Es ist die Phase im Geburtsverlauf, in welcher der Muttermund vollständig geöffnet ist und sich das Baby den Weg durch den Geburtskanal sucht. Wenn die Frau bereits eine PDA hat, ist dieser Bereich teilweise betäubt und die Schmerzen werden in der Regel weniger stark wahrgenommen. Andernfalls können durch eine lokale Betäubung die Schmerzen reduziert werden.
Lese hier auch unseren Beitrag zum Thema Geburtsschmerz.
Wie verläuft der Genesungsprozess nach dem Eingriff?
Die Genesung erfolgt bei Mutter und Kind in aller Regel schnell.
Genesung bei der Mutter
Die Heilung eines Dammrisses bei der Mutter verheilt nach einer vaginal-operativen Geburt nicht anders als bei einer sonstigen vaginalen Entbindung mit Dammriss. In der Regel heilen Dammrisse schnell, ausser es handelt sich um einen Dammriss dritten oder vierten Grades.
Tipp: Lese in unserem Artikel alles Wichtige über den Dammriss und dessen Heilung.
Genesung beim Baby
Nach einer Saugglockengeburt kann am Kopf des Babys vorübergehend eine Schwellung oder Druckstelle sichtbar sein. Diese bildet sich meist von selbst wieder zurück.
Gelegentlich kann auch ein Bluterguss unter der Kopfhaut entstehen, ein sogenanntes Kephalhämatom. Dieses kann mehrere Wochen benötigen, bis es vollständig abgeheilt ist. Das Baby wird nach einer vaginal-operativen Geburt entsprechend untersucht und beobachtet.
Gut vorbereitet – auch wenn die Geburt anders verläuft
Eine gute Geburtsvorbereitung bedeutet nicht, dass eine Geburt nach einem bestimmten Plan verlaufen muss. Viel wichtiger ist, zu verstehen, was während einer Geburt passieren kann, welche Möglichkeiten du hast und wie du auch in unerwarteten Situationen möglichst ruhig und informiert bleiben kannst.
Genau darauf bereiten wir dich auch in unseren HypnoBirthing-Kursen vor: mit Wissen über die Geburt, konkreten Atem- und Entspannungstechniken und Möglichkeiten, wie du und dein Partner aktiv mit der Geburt umgehen könnt.
Mehr über unsere HypnoBirthing-Kurse erfahren
Fazit
Eine Saugglockengeburt lediglich in rund 6% aller Geburten vor. Wichtig ist es deshalb, sich vorher nicht davon einschüchtern zu lassen. Diese Art dem Baby auf die Welt zu helfen wird in der Medizin seit Jahren eingesetzt und ist gut erforscht. Wenn also ein Kind mit der Saugglocke auf die Welt geholt wird, hat dies immer wichtige und dringliche Gründe, die der Gesundheit des Babys dienen.
FAQs
Ist eine Geburt mit Saugglocke schmerzhaft?
Ob mit oder ohne Saugglocke: Die meisten Frauen empfinden während dieser Phase der Geburt ohnehin Schmerzen. Falls vorher eine PDA gemacht wurde, nimmt diese einen grossen Teil der Schmerzen. Ansonsten können die Schmerzen durch eine lokale Betäubung reduziert werden.
Wie lange dauert eine Geburt mit Saugglocke?
Die Saugglocke kommt erst in der letzten Phase der Geburt zum Einsatz, wenn der Kopf des Babys bereits tief im Becken liegt. Ziel ist es, die Geburt gezielt zu unterstützen und das Baby gemeinsam mit den Wehen und dem Pressen der Mutter zur Welt zu bringen. Wie lange dies dauert, hängt von der jeweiligen Geburtssituation ab.
Was ist besser Kaiserschnitt oder Saugglocke?
Es kann keine generelle Empfehlung gegeben werden, ob eine Geburt mit der Saugglocke oder per Kaiserschnitt besser ist. Dies kann nur aufgrund der medizinischen Beurteilung erfolgen und hängt massgeblich davon ab, wie weiter der Kopf des Babys bereits im Becken liegt.
Wie viele Geburten mit Saugglocke?
Gemäss der Statistik aus dem Jahr 2017 fand bei rund sechs Prozent der Geburten in Deutschland ein vaginal-operativer Eingriff mittels Saugglocken statt. Davon wurden lediglich 0,3 Prozent mit der Geburtszange durchgeführt und 5,9 Prozent mit der Saugglocke.




